Berlinale-Oray2019

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69. Berlinale-Oray, ein Düsseldorfer in der Hauptrolle

Oray -Darsteller Zeyhun Demirov

Am 7. Februar 2019 startete zum 69. Mal das internationale Filmfestival Berlinale. Bis zum 17. Februar zeigt man in verschiedenen Sparten Filme aus aller Welt.

 

In der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ ist dem 1987 in Bad Hersfeld geborenen Filmregisseur und Drehbuchautoren Mehmet Akif Büyükatalay gleich zweimal ein Volltreffer gelungen. Da ist zum Ersten: Seine an der Kunsthochschule Köln abgelieferte Abschlussarbeit, der Film „Oray“, gelangte sofort zur Berlinale. Von Null auf Hundert in Sekundenschnelle, so kann man es ausdrücken. Wovon alte und erfahrene Regisseure träumen, nämlich einen ihrer Filme auf der Berlinale zeigen zu dürfen, verwirklichte sich für Mehmet Akif Büyükatalay, der bei Oray die Regie führte und das Drehbuch schrieb.

 

Der zweite Volltreffer gelang ihm nach der Premiere auf der Berlinale am 11. Februar. Mit sehr starkem Beifall nahmen die internationalen Filmkritiker das Werk „Oray“ auf. Der 2019 gedrehte Spielfilm hat eine Länge von 100 Minuten und macht den Zuschauer mit Oray bekannt. Ihn stellt der 1992 in Düsseldorf geborene Schauspieler Zejhun Demirov da. Der Darsteller ist mit seinen jungen Jahren bereits eine Größe im Filmgeschäft! Er wirkte u. a. mit in „Der einsame Hof“; „Nur Gott kann mich richten“. Den nach dem Schauspieler Götz George (bis heute unvergessen als Duisburger Tatort-Kommissar Horst Schimanski) benannten Nachwuchspreis konnte Zejhun Demirov 2018 im Rahmen der First Steps erringen. Seit 2000 wird dieser Preis einmal im Jahr für Abschlussfilme von Studenten deutschsprachiger Filmhochschulen vergeben. Zejhun Demirov stellt Oray aus dem westfälischen Hagen dar. Wegen einer Kleinigkeit streitet er sich mit seiner Ehefrau Burcu (Deniz Orta). Oray spricht dreimal die islamische Scheidungsformel „Talaq“ aus. Sofort bereut Oray seine Worte und sucht den Imam, den islamischen Geistlichen, seiner Heimatgemeinde auf. Dieser teilt ihm mit, er möge sich drei Monate von seiner Frau fernhalten. Das sei wie eine Zwangspause anzusehen. Oray nutzt diese Zeit für einen Neuanfang. Er siedelt allein nach Köln um. Dort möchte er später mit Burcu ganz von Vorn wieder starten. In einer Kölner Gemeinde lernt Oray den Imam Bilal (Cem Göktas) kennen. Bilal legt das islamische Recht sehr streng aus. Er teilt Oray mit, die Scheidung sei ausgesprochen worden und es gäbe kein Zurück mehr zu seiner Frau. Oray kommt in Gewissenskonflikte. Er liebt Burcu immer noch. Sie liebt auch ihn, das beweist sie ihm bei ihrem Besuch in Köln. Oray kommt in eine Konfliktsituation. Er liebt seinen Glauben; aber er glaubt auch an die Liebe.

 

Der Regisseur teilte mit: „Der Film fällt in eine Zeit, in der man das Thema Islam aus deutschen Filmen hauptsächlich über Reizthemen, wie islamistischen Terror oder Radikalisierungsbiografien vermittelt bekommt-woran liegt das?“ Er sagt ferner: „Diese Themen spielen im Leben der Muslime keine Rolle. Ihr Islam ist der Islam des Alltags und des Glaubens.“ So sieht es auch der Hauptdarsteller Zeyhun Demirov. Er sagte im Pressegespräch: „Ich soll mich für irgendetwas entschuldigen, was angebliche Muslime angerichtet haben mit ihren Terrorattentaten, die sie mit Bombengürteln oder Flugzeugen durchgeführt hatten. Wie oft soll man darauf hinweisen, diese Menschen sind Terroristen, sie sind unmenschlich und haben vor anderen Menschen jeden Respekt verloren!“ Der Film soll den Zuschauer, unabhängig von einer religiösen Zugehörigkeit, zum Nachdenken bewegen! Muslime in Deutschland haben wie Christen oder Juden oder Atheisten mal Probleme, mal Sorgen im Alltag. Nicht mehr und nicht weniger als anderen Gruppen in der Gesellschaft auch. Zeyhun Demirov sagte offen und ehrlich: „Als ich davon erfahren habe, Oray wird auf der Berlinale gezeigt werden, habe ich vor Freude geweint.“ Am 30. Mai startet Oray in den deutschen Kinos.

 

Text und Foto: VTN

Veröffentlicht am 15.02.2019