Rheinmetall2019

Düsseldorfer Blatt

Дюссельдорфский листок

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Hauptversammlung der Rheinmetall AG


Das 1889 in Düsseldorf gegründete Unternehmen Rheinmetall AG lud am 28. Mai zur Hauptversammlung (HV) ein.


Sie fand in Berlin-Tiergarten statt. Armin Papperger ist seit dem 1. Januar 2013 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Er sprach auf der HV von „einem guten Jahr.“ Der Umsatz wurde um 6,1 Milliarden Euro gesteigert. Das ist ein Plus von 4,3 Prozent. In der Rüstungssparte wuchs der Umsatz gar um fast 8 Prozent. Rheinmetall machte 2018 fast eine halbe Milliarde Gewinn, es waren genau 492 Millionen Euro. Die Aktionäre dürfen von den Erfolgen des Unternehmens profitieren. Sie erhalten 2,10 Euro Dividende, Rheinmetall schüttet 90 Millionen an sie aus. Die Hälfte des Konzernumsatzes wird in Deutschland und Europa erzielt. Rund 25.000 Mitarbeiter zählt Rheinmetall. Das sind 1.200 Mitarbeiter mehr als 2017. Armin Papperger betonte: „Mit Stolz können wir auch darauf verweisen, Rheinmetall ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Letztes Jahr erhielten wir 50.000 Bewerbungen, das waren 10.000 mehr als 2017.“


Das Unternehmen gab letztes Jahr für Forschung und Entwicklung 600 Millionen Euro aus. Das ist ein Zuwachs von 10 Prozent im Vergleich zu 2017. Kurz nach dem Beginn der HV skandierten aus den Zuschauerreihen zuerst 3 Anwesende Parolen gegen den Konzern. Dann erhoben sich 3 weitere Aktionäre und riefen gemeinsam: „Deutsche Waffen, deutsche Geld, morden mit in aller Welt“. Mehrere Demonstranten stürmten dann das Rednerpult auf der Bühne. Am Ende standen 30 Demonstranten auf der Bühne. Sie riefen weiterhin Parolen und zeigten ein Transparent mit der Aufschrift „Rheinmetall entwaffnen“. Knapp 50 Minuten lang forderte der Versammlungsleiter die Demonstranten auf, die Bühne zu verlassen. Da die Demonstranten dieser Aufforderung nicht nachkamen, schritt die Polizei ein und trug die Demonstranten einzeln aus dem Saal.


Die sich stellende Frage ist ja: Warum nutzen nicht alle Aktionäre, auch die kritischen darunter, nicht die Möglichkeit, auf der HV dem Vorstand und dem Aufsichtsrat konkrete Fragen zu stellen? (Anmerkung: Meine selige Oma sagte immer: „Wer schreit, hat Unrecht.“) Schon mit einer Aktie hat man Rederecht, man muss die eine Aktie noch nicht einmal besitzen! So kann beispielsweise Tante Paula aus Castrop-Rauxel ihrem Neffen Gustav aus Wanne-Eickel eine Vollmacht für diese eine Aktie geben. Gustav hat Frage- und Rederecht auf der HV. Muss man mit lauten Parolen eine HV stören, wenn man auch gesittet Gehör finden kann? Die ein oder andere Frage aus den Reihen der Aktionäre mag ja Herrn Papperger und seinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und Aufsichtsrat nicht unbedingt gefallen und sogar als sehr ungenehm empfunden werden, aber der Vorstand, auch bei der Rheinmetall AG, wird gut besoldet und ein Vorstand sollte in der Lage sein, die Fragen aus den Reihen der Anteilseigner zu beantworten.


Als Journalist vor Ort bei der HV hatte man nicht den Eindruck, dass Armin Papperger nicht gewillt und in der Lage war, Fragen zu beantworten. Dass seine Antworten und die Antworten anderer Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrates nicht unbedingt jeden Fragesteller beglücken, steht auf einem anderen Papier! Was aber ein Ding der Unmöglichkeit ist: Demonstranten rennen auf die Bühne. Da hat man im Vornherein nicht wissen können, was passiert dann? Werden Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrates eventuell körperlich angegriffen? Das ist ein Sittenverfall! Wer kritisch Fragen stellen möchte, geht ans Mikrophon des Rednerpults. Er stürmt keine Bühne und sorgt für einen Polizeieinsatz! Der Vorstand einer deutschen AG wird sich immer nach besten Kräften bemühen, die an ihn gestellten Fragen zu beantworten. Weiß man doch sowohl auf Seiten des Vorstands, des Aufsichtsrats als auch bei den Aktionären, sollte das nicht der Fall sein oder nur sehr unzureichend, kann man eine HV juristisch angreifen und eine Wiederholung unter Umständen erzwingen. Diesen großen Fauxpas können sicherlich kein Vorstand und Aufsichtsrat ihrem Vorstandsvorsitzenden verzeihen. Also, liebe kritische Aktionäre: Eure Bühne ist das Rednerpult und das Mikrophon!



Text: Volkert Neef/Fotos: Svetlana Reinwarth

Veröffentlicht am 31.05.2019