Ikonenmuseum

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Holy Metal in Recklinghausen

 

In der Ruhrfestspielstadt Recklinghausen befindet sich das einzige Ikonen-Museum in Westeuropa. Hauptsächlich zu verdanken ist die Gründung dieses Museums einem gebürtigen Recklinghäuser. 1914 kam Thomas Grochowiak zur Welt, später wirkte er als Kunstmaler und Museumsdirektor. Prof. Thomas Grochowiak, der 2012 verstarb, war Leiter der Kunsthalle Recklinghausen und er setzte sich für den Ankauf von knapp über 70 Ikonen Mitte der 50er Jahre stark ein. Im Juli 1956 eröffnete das Ikonen-Museum in Recklinghausen seine Pforten. Voller Stolz kann Dr. Hans-Jürgen Schwalm, Direktor der Städtischen Museen Recklinghausen, 2018 darauf hinweisen: „Rund 3.700 Ausstellungsstücke umfasst das Ikonen-Museum.“ Das Gebäude befindet sich direkt gegenüber der Prosteikirche St. Peter. Es wurde um 1795 errichtet und diente bis 1895 als Volksschule, von 1927 bis 1935 wurde in dem Gebäude Regionalgeschichte gelagert, dann hauste bis 1945 die NSDAP hier. Das Ikonen-Museum darf für sich in Anspruch nehmen, dass das Gebäude seit 1983 unter Denkmalschutz steht. Das Museum verfügt über Ausstellungsräume im Erdgeschoss und in zwei weiteren Etagen. Seit dem 11. November 2018 ist dort die Ausstellung „Holy Metal“ zu sehen. Diese Ausstellung mit 66 Russischen Metallikonen wird am 20. Januar 2019 beendet werden. Der Leiterin des Ikonen-Museums, Dr. Eva Haustein-Bartsch, ist es gelungen, von dem Ehepaar Gustav und Rose-Marie Wörner diese Sammlung aus dem Nachlass der beiden diplomierten Landschaftsarchitekten zu erhalten. Gustav Wörner lebte von 1932 bis 1997, seine 1927 geborene Gattin Rose-Marie verstarb 2015. Dr. Eva Haustein-Bartsch wies darauf hin, dass die Ausstellung „Holy Metal“ sich nicht nur als Dank für das großzügige Vermächtnis der Eheleute Wörner versteht. Diese Ausstellung soll auch dazu dienen, an das vielfältige gemeinsame berufliche Engagement der Garten- und Landschaftsarchitekten Wörner aus Wuppertal auf dem Sektor der Gartendenkmalpflege zu erinnern. Zum Nachlass gehören beispielsweise acht Kreuze in verschiedener Form. Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) betonte, man müsse Gönnern, die einem Museum einen wertvollen Nachlass kostenfrei überlassen „auch immer das Gefühl und die Sicherheit geben, ihr Nachlass befindet sich in guten Händen.“ Das sei in dem Fall des Nachlasses des Ehepaars Wörner garantiert, so das Stadtoberhaupt von Recklinghausen.

 

Metallikonen wurden auch gerne als Reisebegleiter von der Bevölkerung eingesetzt. Man trat keine Reise an ohne eine Metallikone mit sich zu führen. Metallikonen konnten sich arme Bauern und Dienstkräfte sowie Handwerksburschen im zaristischen Russland wohl kaum leisten. Diese Berufsgruppen hatten für Reisen auch gar kein Geld zur Verfügung. Arme Handwerksburschen zogen höchstens zum Zwecke der Arbeitssuche von Dorf zu Dorf und hatten oft nur das an Besitz vorzuweisen, was sie auf dem Leibe an Kleidung trugen. Es waren die sogenannten Besserverdienenden, die sich Metallikonen leisten konnten. Jede dieser Ikonen ist ein Unikat. Das Zentrum der Metallikonenproduktion war seit 1719 das Vyg-Kloster im Norden des Zarenreiches in der Nähe des Weißen Meer. Zar Peter der Große verbot zwar 1722 den Handel mit diesen von ihm als „unkünstlerischen und unwürdigen Kreuzen und Ikonen“ bezeichneten Teufelswerk, das Verbot wurde in der Bevölkerung aber ignoriert. Als 1854 das Vyg- Kloster samt Werkstätten auf Befehl des Zaren geschlossen wurde verlagerte sich die Produktion der Metallikonen beispielsweise in den Ural und ins Baltikum. Kleine Familienbetriebe erschufen dann die Metallikonen. Die Ausstellung „Holy Metal“ ist bis zum 20. Januar 2019 zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Alle Details unter: www.ikonen-museum.com

 

Düsseldorfer-Blatt-Service: Das Recklinghäuser Ikonen-Museum am Kirchplatz 2a in 45657 Recklinghausen ist seit 2012 auch barrierefrei zugänglich. Parkplätze für Autofahrer befinden sich in den beiden Tiefgaragen „Krim“ sowie „Augustinessenstraße.“ Vom Hauptbahnhof aus sind es ca. 10 Minuten Fußweg bis zum Museum. Der Hauptbahnhof liegt an der Strecke Münster nach Essen und bietet auch Direktverbindungen nach Hamburg und Köln an. Die A2 von Hannover nach Oberhausen führt an Recklinghausen vorbei. Flughäfen in unmittelbarer Nähe sind Dortmund, Münster und Düsseldorf.

 

Text/Fotos: Volkert Neef

Veröffentlicht am 20.11.2018