Text: Svetlana Reinwarth

Fotos: Svetlana Reinwarth

Veröffentlicht am 07.03.2026


" Schwätzbänkle retten Menschen vor Einsamkeit "

Über unsere Reise zum Bodensee im Februar 2026 haben wir bereits berichtet. Mehr dazu können Sie im „Düsseldorfer Blatt” nachlesen.

Bodensee im Winter

Die Orte hier sind sehr schön und malerisch. Wir haben es genossen, die Küstenstädte kennenzulernen. Eine davon war Friedrichshafen, das im Süden Deutschlands im Bundesland Baden-Württemberg, unweit der Grenze zu Österreich und der Schweiz, liegt. Die rund 60.000 Einwohner zählende Stadt ist vor allem als Heimat der Zeppeline bekannt. Hier wurde auch das Zeppelin-Museum eröffnet. Besonders sehenswert ist auch die Uferpromenade. Sie liegt im Zentrum der Stadt und ist ein beliebter Ort für Spaziergänge der Einwohner und Gäste.

An der Uferpromenade des Bodensees

Bei einem Spaziergang am Ufer des Bodensees in Friedrichshafen sind uns die dort aufgestellten Bänke aufgefallen. Zwei davon waren besonders. Sie wurden „Schwätzbänkle” genannt, was auf Schwäbisch so viel wie „Gesprächsbank” bedeutet.


Jeder, der möchte, kann hierherkommen, sich hinsetzen und einen Gesprächspartner finden. Auf diese Weise löst die Stadt ein aktuelles Problem unserer Zeit, indem sie Menschen, die unter Einsamkeit leiden, hilft. Genau das brauchen einsame Menschen, die keine Freunde, Angehörigen oder Verwandten haben. Einfach hierherkommen und reden. Sie können Informationen austauschen und über das sprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Im Gegenzug hört man etwas Nettes und Ermutigendes.

Schwätzbänkle in Friedrichshafen 

Es ist bekannt, dass die Einsamkeit sich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Die emotionale Anspannung steigt, es kommt zu einem Gefühl der Leere, Traurigkeit und Nutzlosigkeit und das Selbstwertgefühl sinkt. Die chronische Einsamkeit ist eine Ursache für Stress und verschlechtert die Schlafqualität sowie die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit. Oft begehen gerade einsame Menschen Selbstmord. Dies könnte vermieden werden, wenn in diesen Momenten Menschen in ihrer Nähe wären, die sie unterstützen würden. Es ist ein Irrglaube, dass nur ältere Menschen einsam sind, denn dieses Problem betrifft immer mehr junge Menschen.

In Friedrichshafen am Bodensee

Die Idee, solche Bänke aufzustellen, entstand im Jahr 2021, mitten in der Pandemie. Sie stammte von Walter Schmid, dem Vorsitzenden des örtlichen Seniorenbeirats, der diese nützliche Maßnahme in Friedrichshafen erfolgreich umgesetzt hat. Nun stehen diese Bänke im Zentrum der Stadt und jeder, der möchte, kann hierherkommen und einen Gesprächspartner finden.

An der Uferpromenade des Bodensees

„Unsere Idee ist einfach“, erklärte Herr Schmid der Presse. „Hier ist ein Ort der Begegnung und des vertraulichen Gesprächs entstanden, an dem Menschen, die sich nicht kennen, aber dennoch Freude an solchen Kontakten haben, zusammenkommen können. Wir sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Wir kommen selbst zu den Menschen, die beispielsweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und sich nicht fortbewegen können. Dafür organisieren wir eine Art mobile Gesprächsbänke.


Die in Friedrichshafen umgesetzte Idee ist in jeder Hinsicht lobenswert. Das ist eine großartige Initiative. Es wäre sehr gut, wenn solche Bänke auch in anderen deutschen Städten aufgestellt würden.