Text: Svetlana Reinwarth
Foto: Svetlana Reinwarth
Veröffentlicht am 14.10.2025
„ Wussten Sie, dass...“
Das kleine Estland ist das fortschrittlichste Land im Bereich der Informationstechnologien

Altstadt von Tallinn
Die Leser des „Düsseldorfer Blattes” haben bereits mehrfach in unseren Artikeln über Estland und seine Hauptstadt Tallinn gelesen. Wir haben mit Ihnen einen Spaziergang durch die Altstadt unternommen, die Sehenswürdigkeiten der estnischen Hauptstadt kennengelernt und leckere Nationalgerichte probiert. Heute laden wir Sie erneut nach Estland ein. Diesmal reden wir über diese baltische Republik in unserer Rubrik: „Wussten Sie, dass..."

Altstadt von Tallinn
Das ist kein Zufall. Wir möchten gerne darüber berichten, wie das kleine Estland mit ca 1,4 Millionen Einwohnern zu einem der weltweit führenden Länder im Bereich der Digital- und Computertechnologien geworden ist.
Das wird deutlich, wenn man nach Estland kommt und das Internet nutzt. Erstens ist die Internetverbreitung in diesem Land eine der höchsten weltweit. Fast 98 % der estnischen Bevölkerung sind versierte Internetnutzer. Zweitens nimmt das Land weltweit Spitzenplätze bei der Verbindungsgeschwindigkeit ein, darunter auch bei der Nutzung von 5G-Technologien. Drittens werden fast alle Verwaltungsdienstleistungen im Land schon seit Langem elektronisch erbracht.
Alles begann in den 1990er Jahren. Damals führte das gerade seine Unabhängigkeit erlangte Estland das Projekt „Tigersprung” durch, das sich in drei Bereichen entwickelte: innovative Bildung, virtuelle Unternehmen und digitale Bürgerschaft. So wurden beispielsweise alle estnischen Schulen mit Computern ausgestattet. Die digitale Transformation verlief sehr schnell und bald waren alle Bildungseinrichtungen mit dem Internet verbunden.
Das Projekt wurde jedoch nicht nur im Bildungsbereich umgesetzt. Bereits 1997 nahm die Plattform „X-Road” ihren Betrieb auf. Sie bildete die Grundlage für das Programm „Smart City”, über das man Zugang zu einer ganzen Reihe von Verwaltungsdienstleistungen erhielt. Estland ist übrigens auch die Heimat des bekannten Programms Skype, einer kostenlosen Videokonferenzsoftware, die einen echten Durchbruch im Bereich der Fernkommunikation erzielt hat.

In nur 30 Jahren hat sich Estland zu einem Land entwickelt, in dem nahezu alle Dienstleistungen digitalisiert sind. Jeder Einwohner verfügt über einen elektronischen Ausweis. Mit diesem erhält man Zugang zu verschiedenen Dienstleistungen. Möchten Sie heiraten oder Ihre Ehe auflösen? Füllen Sie dazu einfach den entsprechenden Antrag online aus. Das dauert nur wenige Minuten. Das Gleiche gilt für die Bezahlung von Waren, die Bestellung von Arztterminen und Medikamenten sowie vieles mehr.
Seit 2007 können die Esten zudem bei nationalen Wahlen elektronisch über das Internet abstimmen. Das haben wir persönlich bei den Kommunalwahlen in einem Einkaufszentrum gesehen. Einige kamen zum Wahllokal, andere stimmten von zu Hause aus ab.

Die Wahlen in Estland finden sowohl persönlich als auch elektronisch von zu Hause aus über das Internet statt.

Die Wahlen in Estland finden sowohl persönlich als auch elektronisch von zu Hause aus über das Internet statt.
Die Mitarbeiter des „Düsseldorfer Blattes“ haben die Wunder der estnischen Computerisierung und Robotisierung im Restaurant „Lido“ auf dem Estoniaplatz in Tallinn hautnah erlebt. Nach dem Mittagessen, als das benutzte Geschirr noch auf dem Tisch stand, kam ein elektronischer Kellner auf uns zu. Er begrüßte uns höflich und bat, die Teller auf speziell dafür vorgesehene Ablagen zu stellen. Das taten wir, woraufhin sich unser mobiler Kellner bei uns bedankte und ruhig weiterfuhr – zum Geschirrspülraum.
Und all das ist in Estland überhaupt nicht überraschend.

Der mobile Kellner im Restaurant LIDO

Im Restaurant Lido

Im Restaurant " LIDO"
Estland wurde im Jahr 2025 auf der Messe CES zum Innovationschampion gekürt und bestätigte damit seine führende Rolle in der europäischen digitalen Transformation.