Text: Svetlana Reinwarth
Foto: Svetlana Reinwarth
Veröffentlicht am 03.02.2026
In Venedig fand ein Gedenktag für Joseph Brodsky statt

Das Grab des Dichters Joseph Brodsky auf dem Friedhof San Michele in Venedig
Am 28. Januar 2026 nahm das „Düsseldorfer Blatt” in Venedig am Gedenktag für den Dichter Joseph Brodsky teil. Er fand traditionell auf dem Friedhof San Michele statt und war dem 30. Todestag des Dichters gewidmet.
An Brodskys Grab versammelten sich Liebhaber und Verehrer seines Schaffens. Sie halten den Poeten in Erinnerung und geben dieses Andenken und diese Vorliebe an ihre Mitmenschen weiter. Gerade in der heutigen Zeit, die für Russland und die russische Kultur schwierig ist, ist die Bewahrung solcher Traditionen von besonderer Bedeutung.

Gedenktag von Joseph Brodsky


Gedenktag von Joseph Brodsky
An diesem denkwürdigen Tag erklangen auf dem Friedhof San Michele die schönen Gedichte von Joseph Brodsky und es herrschte die russische Poesie vor. Die Anwesenden lasen Zeilen aus den Lieblingswerken des Dichters vor: „Ich möchte weder ein Land noch einen Friedhof wählen, ich werde auf die Wassiljewski-Insel kommen, um zu sterben.“ Mit diesen Worten wandte sich Brodsky an seine Heimatstadt Leningrad/ jetzt Sankt Petersburg und das Land/ Russland, aus dem er wegziehen und nach Amerika auswandern musste.
Er lebte ein kurzes, aber sehr erfülltes Leben: nur 55 Jahre, in denen es Leid und Freude, Liebe und außergewöhnliches Talent gab. „Ich ging anstelle eines wilden Tieres in den Käfig, saß meine Strafe ab und ritzte meinen Spitznamen mit einem Nagel in die Baracke, lebte am Meer, spielte Roulette, aß mit Gott weiß wem im Frack zu Abend“, schrieb der Dichter anlässlich seines 40. Geburtstags. Er sollte nie wieder nach Russland zurückkehren und wurde in Venedig auf der Insel San Michele beigesetzt, wo er seine letzte Ruhestätte fand.

Friedhof San-Michele in Venedig
Dass Brodsky in Venedig beigesetzt wurde, war kein Zufall. Er liebte diese Stadt, kam oft hierher und ließ sich hier für seine Werke inspirieren. Für seinen 1987 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichneten Essay über Venedig mit dem Titel „Die Uferstraße der Unheilbaren“ wurde er 1987 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
An diesem wichtigen Tag schien sogar das Wetter die Besucher zu unterstützen. Seit dem Morgen regnete es stark. Venedig ist eine Stadt am Meer, in der es im Winter oft regnet. Außerdem ist sie für ihre Überschwemmungen, das sogenannte Hochwasser, Acqua Alta, bekannt, wodurch sie eine Verbindung zu Sankt Petersburg hat, das ebenfalls unter den Naturgewalten des Meeres leidet.

Das Wetter in Venedig war seit dem Morgen schlecht.
Doch kaum waren wir in San Michele angekommen, hörte es auf zu regnen und die Sonne kam hinter den Wolken hervor. Während unseres Besuchs auf dem Friedhof war es kühl und trocken. Eine ungewöhnliche Stille herrschte, die nur durch die Schreie der Möwen und das Plätschern der Wellen unterbrochen wurde.

Friedhof San-Michele in Venedig
Die ganze Zeit über hatten wir das Gefühl, dass der Dichter bei uns war, dass er in unserer Nähe war, dass er uns hörte und dass er an dem Geschehen teilhatte. Er war von Natur aus ein bescheidener Mensch und mochte keine feierlichen, pompösen Reden. Wir sprachen darüber, was seine Gedichte für uns bedeuten, lasen unsere Lieblingswerke laut vor und waren dabei heiter traurig, aber dennoch gut gelaunt.
Brodsky ist nicht der einzige russische Kulturschaffende, der hier begraben liegt. Hier ruhen auch Sergei Diaghilev, Igor und Vera Stravinsky sowie Peter Weill. Auch der bekannte italienische Slawist Vittorio Strada, der „Doktor Schiwago“ ins Italienische übersetzt hat, und seine Frau Clara Janovich-Strada, die in Sibirien geboren wurde und ihr ganzes Leben in Venedig verbracht hat, sind hier begraben. Auch sie arbeitete als Lehrerin und Übersetzerin. Sie starb im Mai letzten Jahres.

Das Grab des Dichters Joseph Brodsky auf dem Friedhof San Michele in Venedig
" Mit dem Tod endet nichts/ Letum non omnia finit.“ Dieser Satz des römischen Dichters Properz symbolisiert sehr treffend, dass sogar, wenn das physische Leben des Dichters zwar beendet ist, die Erinnerung an ihn weiterlebt. In seinen Gedichten und Werken. Auch bei solchen Treffen der Literaturliebhaber, die zweimal im Jahr zum Grab des Poeten kommen. Am 24. Mai, an seinem Geburtstag, und am 28. Januar, an seinem Todestag.
Sie würdigen den großen Dichter, der nicht nur für die russische, sondern auch für die Weltkultur so viel geleistet hat.